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Eier für Rat

Studiert habe ich in der Stadt. Inzwischen lebe und arbeite ich auf dem Land.

Woran ich mich gewöhnen musste: Gerade, wenn man als "Landärztin" bekannter wird, nimmt die Scheu der Patienten zur Kontaktaufnahme ab. Ich schätze, etwa exponentiell.

Ich bekomme Impfbücher per WhatsApp geschickt, Anrufe von Freunden der Bekannten wegen einer Bronchitis oder werde im Parkhaus vom Baumarkt auf Rezepte angesprochen. Öhm, sorry. Habe weder Kartenlesegerät noch meinen mobilen Drucker dabei.

 

Es gibt drei Sorten von Menschen, die mich privat um Rat fragen:

1. Meine Freunde und deren Familie, die mich Tag und Nacht anrufen könnten und für die ich alle Hebel in Bewegung setzen würde. Diese melden sich allerdings fast nie wegen medizischer Belange, weil sie nicht stören wollen. Aha.

2. Die Bekannten, die wirklich ganz ungerne fragen, sich aber nicht zu helfen wissen. Hier gibt es dann meist Pralinen oder Blümchen und ich freue mich immer riesig über diese Geste. Ungemein gefreut habe ich mich auch heute, dass ich auf einen ganz banalen ärztlichen Rat in Naturalien bezahlt wurde: Es gab frische, gerade gelegte Eier vom freilaufenden Huhn. 

 3. Die Menschen, die mich im Wald vom Mountainbike klingeln und nicht verstehen, dass ich gerade wild schnaufend keine Zeit (und keine Lust) auf ein Gespräch habe. Denn ein Arzt arbeitet immer und überall und vor allem tut er es GERNE. IMMER. TAG UND NACHT. 

 

Nö. Stimmt nicht. Ich habe auch Feierabend, ein Privatleben und ein Leben als Nicht-Ärztin. Es sei denn, es gibt Eier.

 

 

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