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How to... talk to Pharmareferenten - Ein Gesprächsprotokoll

 

Mit stoischer Regelmäßigkeit werden wir auch im größten Praxisbetrieb von Pharmareferenten heimge...- ähm... besucht. 

 

Es gibt wie in jedem Job "solche und solche" Vertreter: 

 

Da gibt es die Anzugträger, die sich peinlich genau an die Pharmareferenten-Schulungen halten und ihr Repertoire an Dir abarbeiten: 


"Ja, also... Frau Doktor. Haben Sie unser Produkt schon einmal eingesetzt...? Und ähm, wie machen Sie das denn so mit den Harnwegsinfekten? Erzählen Sie doch mal. Was wissen Sie denn über unser Produkt?" (Beugt sich vor und schaut mir tief in die Augen.)

Ich: "Bin ich hier im Staatsexamen?" Anzugträger ist tief konsterniert.

 

Dann gibt es aber auch sehr nette und zurückhaltende Menschen, die von Deinem täglichen Arbeitspensum wissen und tatsächlich nur ein paar Informationen loswerden und sich eine Unterschrift abholen möchten. 

 

Die sehe ich gerne. Man lacht zusammen und redet ein bisschen, lässt sich in die neusten Studienergebnisse zum vermarkteten Produkt einweisen und hofft, dass sie dann schnell wieder weg sind, weil die Warteliste zum Bersten gefüllt ist.

 

 

Mit ein bisschen Smalltalk sind dann alle glücklich

 

So lief ein kürzlich geführtes Gespräch ab:

 

Pharmareferentin: „Dieses viel bessere Produkt blablabla macht Hinzundkunz glücklich, wie aktuelle Studien beweisen. Schauen Sie hier (tippt auf dem ipad rum). Es ist natürlich im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern trallalaundsingsang viel besser und schont das Praxisbudget.“

 

   Schwesterfraudoktor (schaut schlau): „Aha aha, ja in der Tat.“ 

 

Pharmareferentin (geht zum Smalltalkteil über): „Und sie sind also neu hier?“

 

   Schwesterfraudoktor: „Ja... Seit 2 Jahren.“

 

Pharmareferent/in: „Woooaas? Aber ich hab Sie hier noch nie gesehen?!“

 

   Schwesterfraudoktor: „Wahrscheinlich, weil ich nur vormittags da bin.“

 

Pharmareferentin (tut interessiert und lächelt): „Aha aha... so so. Ja, wieso das?

 

   Schwesterfraudoktor: „Ja, nun, ich habe Kinder.“

 

Pharmareferentin (legt die Komplimente-Platte auf): „Noooiin, das hätte ich ja nicht gedacht.“

 

   Schwesterfraudoktor (beschämt abwinkend): „Haha, jaa, doch, zwei liebe Kinderlein.“

 

Pharmareferentin: „Toll, ja, Sie sehen ja sooo jung aus. Aber ich weiß ja, wie es ist. Ich habe ja auch Kinder!“

 

   Schwesterfraudoktor (legt Komplimente-Platte auf): „Wooas? Echt? Wie schön! Wie alt sind die?“

 

Pharmareferentin (kichernd): „19 und 23!“

 

   Schwesterfraudoktor (schmeichelnd): „Noooinn, aber Sie sehen ja noch viel jünger aus! Das gibt’s ja nicht!“

 

Pharmareferentin (beschämt abwinkend): „Jaja... doch.“

 

   Beide (seufzend und lächelnd): „Hach ja...“ (Beide nicken versonnen.)

 

Die Pharmareferentin erhebt sich, man schenkt sich ein Lächeln, Händedruck, man wünscht sich alles Liebe und wiiiee toll es ist, sich kennengelernt zu haben. Tür schließen, Hände desinfizieren, Patient aufrufen. 

 

Die Pharmareferentin geht mit der Gewissheit, das Produkt wieder gut vermarktet zu haben und hofft auf eine Menge Verordnungen, damit ihre Provision ihr Gehalt aufbessert. Ich schmeiße das Infoblatt in den Müll.

 

Bis man sich beim nächsten Gespräch wieder wiedersieht und die Pharmareferentin freundlich fragt: "Und? Haben Sie das Faltblatt noch?"

 

"Öhm, ja, das habe ich in meiner Schublade."

 

"Ich gebe es Ihnen einfach nochmal."

 

"Ja, prima!"

 

 

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