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Back from Urlaub, Burnout für Profis

Da bin ich wieder. Nicht erholt zurück aus dem Urlaub. 
Hauptsächlich nicht erholt, weil ich zuviele Dinge im Kopf habe, die ich noch zu tun habe. 
Dabei ist mein Stress ja selbst generiert. Klar, an manchen Aufgaben kommt man nicht vorbei: Arbeit, Kinder, Partner, Haus, Garten...

Eustress und Distress 

Die Arbeit braucht man finanziell zum Leben und um sich nützlich zu fühlen, sich beweisen zu können. Die Kinder/Partner/Familie, weil sie den eigentlichen Sinn im Leben geben: Soziale Gefüge, Liebe, Nähe, Emotionen. Die Menschen sind zwar prinzipiell ganz unterschiedlich und der eine benötigt nur eine feste Bezugsperson, während der andere sich am liebsten im Rudel aufhält. Aber als soziales Wesen ist der Mensch einfach nicht gerne alleine.
Ein Haus braucht man nicht unbedingt, ist aber ganz angenehm (ich persönlich habe keines). Haushalt ist trotzdem zu tun. 
Und ein Garten macht eine Menge Arbeit, ist für manche (mich) aber essentieller Bestandteil der Freizeit und des Lebensgefühls. 
Alles, was über die reinen Pflichten hinausgeht, ist selbst generierter Stress. Das soll nicht prinzipiell negativ klingen, denn es gibt ja positiven Stress (Eustress), der uns antreibt und Befriedigung/Bestätigung verschafft. 
Und es gibt negativen Stress (Distress), der uns auslaugt und bremst.

Mein Geschreibsel mache ich in der Freizeit und habe eigentlich gar keine Zeit dafür, aber ich liebe es. Parallel studiere ich seit einiger Zeit Journalismus, habe aber eigentlich auch dafür wenig Zeit. 
Vor Kurzem war ich für eine ärztliche Werbe-Kampagne bei einem Shooting in Berlin. Auch so nebenbei in der Freizeit. Das alles mache ich, weil ich einen eingebauten Duracel-Modus habe, der kaum auszuschalten ist und ich alle diese Dinge tun will. Eustress, quasi. 
Gleichzeitig merke ich, dass ich auf einem sehr dünnen Drahtseil balanciere und der Eustress in Distress kippen kann. Dann muss ich mich auf mein Bike setzen und durch den Wald düsen oder 2km schwimmen gehen, Zeitdruck hin oder her.

Burnout 

Um nicht in eine Burnout-Spirale zu gelangen, muss jeder seinen individuellen Ausgleich finden. Das mag mitunter durch Familie und Kinder schwer zu erreichen sein und ggf. muss man sich professionelle Hilfe in Form eines Therapeuten/Coaches suchen. Diese Hilfe kann ich hier auch nicht ersetzen, aber ein paar Tipps geben. 

Man bemerkt die ersten Anzeichen eines Burnout oft nicht. Zunächst ist man durch die Arbeit erfüllt und versucht, sein Bestes zu geben. In „unserer heutigen Zeit“ reicht dies meist nicht. Das sehe ich in meiner täglichen Arbeit als Hausärztin, denn viele Patienten schenken mir ihr Vertrauen und erzählen mir, was sie plagt. Es wird viel von den Arbeitnehmern gefordert und es wird leider zu wenig zurück gegeben. Es müssen Pläne erfüllt, Verträge abgeschlossen, Autos verkauft und Patienten operiert werden. Die Anzahl zählt, egal in welchem Beruf. Schafft es der fleißige Arbeitnehmer, diese Zahl zu erfüllen, erfährt er kein Lob. Nein. Nicht geschimpft ist schließlich auch gelobt, wa? Stattdessen werden die Anforderungen erhöht, die Aktenberge wachsen, der OP-Plan wird länger, es muss noch ein Bankkredit an den Mann gebracht oder noch ein Auto mehr repariert werden. 
Das powert die Menschen auf Dauer aus, zumal der „Erholungsurlaub“ bei vielen Menschen nicht mehr als ein Aufschieben und Anhäufen der Arbeit ist, weil es sowieso keinen Vertreter gibt.

Wie gesagt, das sind meine täglichen Beobachtungen. Keine fundierte Recherche zum
Thema „Veränderungen der Arbeitswelt und ihre Folgen für die menschliche Psyche“. 
Und dennoch bin ich überzeugt davon.

Was macht der fleißige Arbeitnehmer? Er erhöht den Einsatz und erhält von seinem Inneren Belohnungssystem anfangs auch Bestätigung, da er seine sich selbst hoch gesteckten Ziele erfüllen kann. 

Das funktioniert einmal, zweimal, vielleicht auch dreimal. Schließlich kommen die Kopfschmerzen/Magenschmerzen/sonstige Schmerzen. Psychosomatik lässt grüßen. 

Ignoriert man die bohrenden und kontinuierlichen Warnzeichen, kann es im manifesten Burnout mit Einweisung und monatelanger Therapie enden. 

Was kann man tun?

1. Ausgleich schaffen: einen Abend oder Nachmittag in der Woche das Handy ausschalten, nicht erreichbar sein und sporteln, lesen, kochen, baden oder was einem eben gut tut. Und wenn es Dir hift, Tischdeckchen zu klöppeln, dann machst Du eben das. Muss ja niemand wissen und das Handy ist ja auch offline. 

2. Soziale Kontakte pflegen: Reden, verbalisieren, Vertraute um ein Ohr bitten. Menschen treffen. Wir Menschen brauchen andere Menschen.

3. Auch mal Nein sagen: nicht jeder von uns ist ein lauter Draufgänger, der wild seine Grenzen verteidigt. Nein sagen bedeutet nicht, unhöflich oder pampig zu sein. Man kann ja auch offen seine Bedenken ansprechen, um Alternativen bitten oder im Vier-Augen-Gespräch die Situation darlegen.

4. Alternativen bereithalten: Man muss nicht sofort den Job hinschmeißen, wenn es mal anstrengend wird. Es tut aber ganz gut, wenn man Alternativen im Hinterkopf hat. Insbesondere, wenn sich nach offenen Gesprächen mit den Vorgesetzten keine Besserung zeigt.

5. Professionelle Hilfe suchen: oft ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Er kann therapeutische Hilfe empfehlen oder vermitteln. Oft reicht auch schon ein orientierendes Gespräch mit einer objektiven Person, um seine eigenen Vorstellungen zu ordnen.

#burnout #stress #achtsamkeit