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Die Sache mit den Millionen

 

 

Fragt mal die Menschen, die ihr kennt, was sie mit einem millionenschweren Lottogewinn machen würden.

 

„Einfach in den Flieger nach Tralalaland reisen und weg sein.“ „In Soundso leben.“ „Nie wieder arbeiten!“ Viele wünschen sich eine vollkommene Veränderung. 

 

Ich selbst habe keine Antwort auf diese Frage und muss überlegen:

 

Eine Reise? Klar, ich würde gerne mal wieder nach Hawaii. Vor Jahren war ich dort und liebe dieses Fleckchen Erde. Dieses Paradies, das es damals war. Wie es heute, zehn Jahre später ist, würde ich gerne sehen. Wieder morgens um halb sechs mit dem Kaffee in der Hand am Strand sitzen und den Wellen zusehen. Die Wale in der Ferne beobachten. Den Sonnenaufgang am Haleakala in klirrender Kälte bewundern und ob der Schönheit dieser Welt gerührt, glückselig und traurig zugleich sein. 

Gerne möchte ich auch mal wieder nach New York. Und traute ich mich, flöge ich auf die ISS und mit ihr einmal um die Erde. 

 

Auswandern möchte ich nicht. Denn ich finde, wir leben verdammt gut hier. 

Gestern las ich einen Text: „Die Seele hat sich seinen Körper, seine Eltern und Geschwister ausgesucht. Sie entscheidet, wo sie hineingeboren werde, um stark zu sein und zu wachsen.“

 

Ich darf mal tief Luft holen: Die Seele ist also freiwillig ist ein Land gegangen, das von Krieg und Zerstörung heimgesucht wird. In ein Land, in dem Hunger herrscht. In einen Körper, der im Laufe seinen Lebens in einem Gefängnis sitzen und gequält wird. In ein Leben, das nichts außer Leid kennt.

So etwas können doch nur wir in einem Wohlstandsstaat von uns geben. Denn dort- in einem Wohlstandland- leben wir. Wir sind versorgt, haben eine Krankenversicherung und gute Ärzte, Jobs und Sicherheit. Natürlich gibt es Schicksale. Natürlich gibt es Probleme in unserem Land. Aber ich für meinen Teil kann nur sagen: Ich habe ein Dach über dem Kopf, ich habe genug zu essen und ich habe einen Job. Meine Kinder kann ich zum Arzt schicken, wenn sie krank sind (oder selbst behandeln) und sie impfen lassen und sie gut ernähren. 

 

So, also was würde ich dann mit 20 Millionen Euro machen?

Ein Haus kaufen. Definitiv. Einen alten Bauernhof mit ganz viel Platz und einem Garten. Ich würde ihn restaurieren (lassen) und in eine Art Loft umfunktionieren. Den Garten mit Gemüse bepflanzen, Hühner zulegen und vielleicht auch Schafe. Ein Schaf. Vielleicht.

 

Das Ganze kostet Zeit und Mühe, daher würde ich nie in Vollzeit arbeiten. Und in meiner Freizeit einen Roman schreiben. Das restliche Geld anlegen und vermehren. Meinen Geschwistern je eine Millionen abgeben. 

Aber definitiv würde ich weiter arbeiten. Aber langsamer. Weniger Patienten und weniger Druck. Zeit für meine Patienten haben. Oder vom Schreiben leben. Da hadere ich noch mit mir. 

 

Ich würde wöchentlich den Wochenmarkt stürmen und leckere Sachen kaufen ohne schlechtes Gewissen und nicht bei meinem Lieblingswein überlegen, ob ich mir 5,99 € leisten kann. Ich würde Städtetrips nach Berlin und Amsterdam machen, um mit Kaffee und lecker Essen an belebten Plätzen zu sitzen. Ich würde meinen Kindern die Schönheit der Welt zeigen wollen.

 

Insgesamt hätte ich gerne genau mein Leben, mit allen Höhen und Tiefen bisher, denn die machen mich aus. Aber insgesamt würde ich es mir etwas einfacher und angenehmer gestalten und gelegentlich verreisen mit den Menschen, die ich mag.