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Karma Dir einen Gefallen tun?

 

Es gibt Menschen, die betreten Dein Leben und tun Dinge für dich, obwohl sie Dich kaum kennen: Sie hören Dir zu, sie helfen beim Umzug, sie geben Dir einen Euro am Automaten der Straßenbahnhaltestelle, weil dieser eine Euro Dir gerade gefehlt hat.

Und Du kannst es in diesem Moment nicht ausgleichen. Weil Du diese Person noch nicht gut kennst, weil Du gerade weit weg ziehst und nicht "zurückhelfen" kannst oder weil Du die Person an der Straßenbahnhaltestelle nie mehr wieder sehen wirst.

Das Karma-Konto

Ich praktiziere seit Jahren das Karma-Konto. Was das ist?

 

Ein Life-Hack, quasi:

Man kann nicht immer erwarten, dass alle Menschen wertgleich zurückgeben, was Du für sie getan hast.

Entweder weil es die Situation nicht hergibt, die Person aus deinem Leben wieder verschwindet oder Du es schlicht und ergreifend vergisst. Wir sind ja auch nur Menschen.


Ich weiß nicht mehr, wie die Dame, die mir den Euro an der Straßenbahnhaltestelle gab, aussah. Ich weiß nur noch, dass es in Mannheim war, die türkische Dame Kopftuch trug und ungefragt und ganz uneigennützig einen Euro aus der Tasche kramte, als ich verzweifelt meinen Geldbeutel durchwühlte. 

Und wenn ich nun an einer Haltestelle stehe und jemand fragt mich: „Haben sie mal nen Euro?“, dann verdrehe ich nicht sofort die Augen, sondern krame einen Euro hervor. Schließlich habe ich in meinem Karma-Konto noch etwas auszugleichen.

Mir half vor Jahren einen Sport-Kollege beim Umzug in ein 80km entferntes Dorf. Beim Verabschieden sagte ich:  „Ich werde Dir nie beim Umzug helfen können." Er antwortete: „Das ist ok. Ich habe den Gefallen ins Universum eingezahlt. Irgendwann wird irgendwer mir ebenfalls einen Gefallen tun."


Das hat mir gefallen und das habe ich mir zu Herzen genommen.

 

Und was habe ich nun davon?


Man erwischt sich ja doch selbst auch mal bei dem Gedanken: Wieso tun die anderen nie etwas für mich? Warum gebe nur ich immer alles? Was soll mir das auch schon nützen, wenn ich sowieso nichts zurück erhalte. Hallo, ich habe immerhin schon Leben gerettet. Ich habe nachts und am Wochenende erkrankte Freunde und Bekannte ärztlich besucht. Ich habe die Kinder meiner Freundin/Schwester/Bekannten gehütet und meine eigenen Dates dafür abgesagt. Und so weiter, und so fort. 


Aber dann fällt einem doch auf: Letztens hat mir meine Freundin wieder zugehört, als ich unbedingt jammern musste. Ich wurde von jemandem auf ein Glas Wein eingeladen, als ich mich einsam fühlte. Ein Arzt aus dem Dorf ist vorbei gekommen, als es meinem Sohn schlecht ging und ich ihn selbst als Hausärztin nicht behandeln konnte. Er sagte: „Ich schreibe doch keine Rechnung. Das ist Nachbarschaftshilfe." 

 

Und das Schöne daran ist: man gewinnt eine ganze Menge Zufriedenheit, wenn man nicht immer auf eine Gegenleistung wartet. Wenn man erkennt, dass man ganz viele wunderschöne „Leistungen“ von anderen Menschen erhält, die dafür ebenfalls nicht mal ein Danke haben möchten. Karma lässt grüßen.


Fotos: Free Fotos, Pixabay