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Einmal auf links gedreht

Mein Leben war nie konstant und nie geradlinig. Die Voraussetzungen waren nicht immer rosig und es gab ein paar Tiefschläge, die mich auch erschüttert haben. Meine Kindheit ist ein eigenes Kapitel und momentan nichts für die Öffentlichkeit.

Meine Noten in der Schule waren gelinde gesagt beschissen, weil ich immer viel nebenbei gearbeitet habe und lernfaul war und die Wende kam erst, als ich durch das Losverfahren einen Platz im Medizinstudium bekam. Ich wollte nie etwas anderes sein als Ärztin und war im Studium dann endlich auch ziemlich gut und mit 28 Jahren approbiert und promoviert.

 

Ein halbes Jahr nach meiner Approbation verlor ich meine Mutter nach langem Kampf an den verfluchten Krebs und dieser Verlust tut auch nach zehn Jahren noch weh.

Vor einigen Jahren wurde mir ein Defibrillator eingebaut.

Seit zwei Jahren lebe ich getrennt (in einer stabilen, freundschaftlichen Ex-Ehe).

 

Ich kenne also Steine und Schlaglöcher im Lebensweg. Manchmal muss man dann anhalten und über den weiteren Weg nachdenken. 

 

Berufliche Pause und... 

 

Mein berufliche Werdegang war ebenfalls nicht gradlinig, weil ich lange dachte, ich würde patientenfern arbeiten wollen. Vor vier Monaten legte ich mit einer nachgeschobenen Elternzeit eine berufliche Pause ein, weil ich mal wieder kurz davor war, alles umzumodeln.

Das liegt mir: neu machen. Wenn mir etwas nicht gefällt oder mein Leben hakt, mache ich es neu. Und meistens wird es dann wieder richtig schön. 

 

Das kann Vorteile haben, weil mich so leicht nichts mehr aus der Fassung bringt und ich Veränderungen sehr positiv gegenüber stehe. Aber es ist auch nicht immer gut, weil Probleme manchmal anders gelöst werden müssen.

 

Diese Elternzeit habe ich für Zeit mit meinen Kindern gebraucht, für das Schreiben, um mich zu ordnen und um nachzudenken, wie es weitergeht. Und es hat funktioniert.

Lange dachte ich, dass ich gar keine Ärztin mehr sein möchte. Die Zustände haben mich erschöpft und diese werden auch in Zukunft nicht anders werden. Stimmen behaupten, dass der Freiberuflichkeit der Garaus gemacht werden soll und Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen, verpflichtende Sprechstunden, Telematik und drohende Regresse lassen diesen Vorwurf nicht unplausibel erscheinen. So viele Späße, die auf mich zukommen werden, wenn ich mich irgendwann niederlasse. 

Es gibt aber auch nichts anderes neben dem Schreiben, das ich so gerne mache, wie Hausärztin zu sein.  

 

... privates Aufräumen

 

Mein Leben hatte zu viele Baustellen und ich habe aufgeräumt:

 

Eine destruktive Beziehung im letzten Jahr (die erste nach 17 Jahren Beziehung/Ehe) habe ich beendet. Wenn jemand Dir all Dein Selbstbewusstsein raubt, geh. 

So gerne ich auch als Notarztpraktikantin unterwegs war, werde ich doch - wenn ich ehrlich zu mir selbst bin - nie als Notärztin fahren. Ich mag die Notfallmedizin, bin aber eher eine internistische Pillendreherin und Verfechterin der sprechenden Medizin. 

Das Schreiben ist meine Leidenschaft und wenn alles gut läuft, schreibe ich demnächst ein Buch für einen Verlag. Wenn es nicht gut läuft, schreibe ich einfach meinen Roman weiter, den ich angefangen habe. Und meinen Blog natürlich auch. 

Das Journalismusstudium werde ich abbrechen, denn irgendwo brauche ich zwischen Job und Schreiben noch Zeit für die Kids und meinen Garten und das Kochen und den Sport und die Freunde und …

Es fällt mir schwer, aber leider kann ich mich nicht klonen und all das machen, was ich gerne tun würde. 

 

I'll be back

 

In dieser Elternzeit habe ich festgestellt, dass mir mein Job fehlt. Ich bin zwar keine knallharte Knochenbrecherin, keine notfallmedizinische Rampensau und keine heldenhafte Lebensretterin. Aber ich bin gerne Hausärztin.

Mit einer neuen Einstellung, einem Ziel für mein Schreiben und klarer im Kopf. Vielleicht hänge ich nach der Facharztprüfung noch die „Fachgebundene Psychotherapie“ dran, mal sehen. Menschen erzählen mir gerne ihr Leben und ich höre gerne zu.

Vielleicht bin ich bis dahin auch reich und berühmt, darauf spekuliere ich ja heimlich. Beziehungsweise jetzt nicht mehr heimlich.

 

 

Manchmal muss man sein Leben auf links drehen, um sich zu ordnen. Mir hat es geholfen. I’ll be back, Landarztpraxis. Soon. 

 

 

(Bild: Geralt, Pixabay)