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Das macht man in einer Familie so!

Ein Tweet von SchwesterUnbequem (@SrUnbequem) bei Twitter brachte es mal wieder zum Vorschein: wir können es doch!

 

Wir, die Angehörigen der Gesundheitsberufe aller Professionen, können uns gegenseitig stützen, den Rücken stärken, den Weg frei räumen, auf die Schulter klopfen und das Herz erwärmen. 

 

Sie schrieb: 

 

„Wenn dich eine ärztliche Kollegin morgens früh aus dem Bett klingelt, weinend,

weil sie bei einer Reanimation ein Kind verloren hat, ist die einzige richtige Antwort: 

“Komm vorbei, ich mach’ Kaffee.”

Ohne Diskussion!

Egal, zu welcher Uhrzeit.

Das macht man in einer Familie so!

 

 

Ohne einander sind wir nicht vollständig

 

Wir müssen uns nicht gegenseitig zerfleischen, weil der oder die eine Pflegefachkraft einfach 20 Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man sich als frisch approbierter Arzt diese Erfahrung ruhig anhören darf und sie ernst nehmen sollte.

Denn was ist ein Arzt ohne eine gute Pflegekraft? Gar nichts. Du stehst allein auf weitem (Krankenhaus)-Flur. (Ich bin mir bewusst, dass das Wort 'Flur' in der Redewendung eigentlich eine andere Bedeutung hat, aber es passte gerade so schön.)

 

Und was sind die Kollegen ohne einander? Sich gegenseitig in komplizierten Fragestellungen beraten, dem anderen mit den Patienten helfen oder einfach nur mal in der Mittagspause (Höhö, finde den Fehler) über Alltägliches sprechen, ist auch Teil der „sprechenden Medizin“. Wer alles nur für sich selbst entscheidet und einsam vor sich hin werkelt, macht Fehler.

 

Gerade in der Medizin sollten wir uns immer bewusst sein, dass wir nicht allwissend sind und jeder Fehler machen kann. Daher hat sich das Vier-Augen-Prinzip in vielen Disziplinen, insbesondere in der Notfallmedizin, etabliert und bewährt.

Kein vernünftiger Notarzt appliziert Medikamente, ohne vorher noch einen Kollegen aus dem Rettungsdienst mit auf die Ampulle und die Spritze schauen zu lassen. 

 

Was wäre ein Notfallsanitäter ohne einen kompetenten Notarzt, auf dessen Schultern er sich stützen kann? Und was wäre der Notarzt ohne die erfahrenen Sanitäter, die meist schon vor Eintreffen des Notarztes das Leben des Patienten gerettet haben?

Und die ihre Kollegen mit Blaulicht und Tatütata sicher durch die Straßen zum Notfall fahren.

 

 

Wir müssen alle zusammenarbeiten

 

Eine Visite kann erst optimal für den Patienten verlaufen, wenn Ärzteschaft und Pflege das Krankheitsbild des Patienten von unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten und jeder  entsprechend seiner Kompetenzen das machen kann, was er gelernt hat und kann.

 

Ein Menschenleben zu retten kann kein Arzt alleine. Weder draußen auf der Straße, noch im Schockraum. Und gerade dort, wo es wirklich darauf ankommt, sieht man doch, dass wir es können:

 

Im Schockraum, im OP oder in der Notaufnahme. 

 

„Meine“ Pflegekraft in der Notaufnahme stellte mir nach einer schlechten Nacht wortlos eine Tasse Kaffee hin. An dieser Stelle muss man keine Worte mehr sagen, denn die Geste bedeutet „Ich bin da“ und hat mir mehrfach vor Dankbarkeit das Herz erwärmt.

 

Da rief mir meine Kollegin aus der Pflege in die überfüllte Notaufnahme zu, ihr Kind sei krank. Wollte aber im nächsten Moment das Blutentnahme-Tablett nehmen und dem neuen Patienten in der überfüllten ZNA den venösen Zugang legen.

Ich nahm ihr das Tablett aus der Hand und sagte: „Geh heim!“ 

„Aber...“ 

„Geh!“ Der Tonfall war etwas ruppig, sie hatte mich aber verstanden und warf mir einen Luftkuss zu.

 

Wir können nicht ohne einander. Die Patienten können nicht ohne uns. Und sie können nur optimal mit uns, wenn wir Angehörige aller Professionen miteinander können. 

 

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Bild: Pixabay, Alexas_Fotos

Gender: Zugunsten des Leseflusses schreibe ich in der maskulinen Form, meine aber natürlich alle Geschlechter.